Der Oktober ist für Kurzreisen innerhalb Deutschlands ein unterschätzter Monat. Die großen Sommerströme sind vorbei, die Wälder färben sich, und in vielen Regionen wird geerntet, gekeltert und gefeiert. Wer jetzt ein paar freie Tage hat, braucht keine lange Anreise, um etwas Besonderes zu erleben. Hier sind unsere Ideen für die goldene Jahreszeit.
Weinlese an Mosel und in der Pfalz
In den Weinbaugebieten ist der Herbst die wichtigste Zeit des Jahres. An der Mosel sind viele Rebhänge so steil, dass dort noch weitgehend von Hand gelesen wird. Wer auf den Wanderwegen oberhalb der Orte unterwegs ist, sieht der Lese aus nächster Nähe zu und hat dabei den Blick über die Flussschleifen.
Die kleinen Orte am Ufer eignen sich gut als Standort, weil man vieles zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Schiff erreicht. Unter der Woche ist es dort deutlich entspannter als an den Wochenenden, an denen viele Weinfeste stattfinden.
In der Pfalz lohnt sich eine Tour entlang der Weinstraße mit ihren Winzerdörfern. Zu dieser Jahreszeit gibt es vielerorts Federweißer, den jungen, noch gärenden Wein, und dazu traditionell Zwiebelkuchen. Viele Weingüter öffnen im Herbst ihre Höfe und Straußwirtschaften. Da deren Öffnungszeiten stark schwanken, lohnt sich ein Anruf vor der Anfahrt.
Bunte Wälder im Harz und in der Sächsischen Schweiz
Wer lieber wandert als verkostet, findet im Harz dichte Mischwälder, Talsperren und urige Orte mit Fachwerk. Die Laubfärbung ist in tieferen Lagen oft besonders kräftig, während es oben am Brocken schon rau und windig sein kann. Warme Schichten und eine Regenjacke gehören deshalb in jeden Rucksack.
Die Sächsische Schweiz lebt von ihren Sandsteinfelsen, die im tiefen Herbstlicht fast golden wirken. Die bekannten Aussichtspunkte sind am Vormittag deutlich ruhiger als am frühen Nachmittag. Wer früh aufbricht, erlebt außerdem mit etwas Glück, wie der Nebel aus dem Elbtal aufsteigt und nach und nach die Felsen freigibt.
Obst und Wasser am Bodensee
Am Bodensee ist der Herbst die Zeit der Apfelernte. Rund um den See reihen sich Obstplantagen, Hofläden verkaufen frischen Most und Äpfel direkt ab Hof, und auf den gut ausgebauten Radwegen lässt sich das Ufer ganz ohne Auto erkunden. An klaren Tagen reicht der Blick über das Wasser bis zu den Alpen. Nebeltage gibt es allerdings auch, sie haben am See ihren eigenen, stillen Reiz.
Wer nicht nur radeln will, kann eine der Inseln im See besuchen oder mit der Fähre ans andere Ufer übersetzen. So lassen sich an einem einzigen Wochenende mehrere Länder rund um den See erleben, ohne das Gepäck ständig umzupacken.
Praktisches für den Herbsttrip
Ein paar Dinge unterscheiden eine Herbstreise von einem Sommerausflug. Diese Punkte haben sich bewährt:
- Die Tage werden kurz, nach der Zeitumstellung am 25. Oktober noch spürbarer. Wanderungen daher so planen, dass man vor der Dämmerung zurück ist.
- Die Herbstferien liegen je nach Bundesland unterschiedlich. Wer flexibel ist, weicht auf Wochen ohne Ferien aus und findet leichter eine Unterkunft.
- Manche Ausflugsschiffe, Bergbahnen und Freibäder stellen im Oktober auf den Winterfahrplan um oder schließen ganz. Vorher nachsehen erspart Enttäuschungen.
- Schuhe mit gutem Profil sind Pflicht, denn nasses Laub auf Waldwegen und Weinbergtreppen ist rutschig.
- Eine Thermoskanne mit Tee oder Kaffee macht jede Pause an einem Aussichtspunkt angenehmer.
Mit ein wenig Planung wird aus einem verlängerten Wochenende im Oktober eine Reise, die sich viel länger anfühlt, als sie war.
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